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Ilka Schröder

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Menschenrechte | Denkpause 2 | 13.12.99

Inteview mit Rechtsanwalt Weinglas

Free Mumia Abu-Jamal now

Mumia Abu-Jamal wurde angeklagt, 1981 einen Polizisten erschossen zu haben. 29 Gesetzesverstöße wurden im Laufe seines Verfahrens von Seiten des Gerichtes vollzogen. Der ehemalige Black-Panther-Aktivist sitzt seit 18 Jahren im Knast in Waynesburg, US-Bundesstaat Pennsylvania.Allein die Tatsache, daß der Journalist zwar eine Waffe trug, diese aber andere Geschosse enthielt als die, die in dem toten Polizistenkörper gefunden wurden, spricht für sich - von den anderen 28 Gesetzesverstößen im Laufe seines Verfahrens einmal abgesehen. Der ehemalige Black-Panther-Aktivist sitzt seit 18 Jahren im Knast in Waynesburg, US-Bundesstaat Pennsylvania. Mit seinem Anwalt, Leonard Weinglass, sprach Ilka Schröder in New York.

[Das EP meint dazu | Weitere Informationen]

Wie geht es Mumia Abu-Jamal?
Er ist voller Kraft und Überzeugung, daß er weiter kämpfen muß und kann. Und er hofft, daß das Bundesgericht einen neuen Prozeß anordnet.

Wäre ihm mit einem neuen Prozeß geholfen?
Nun, zuerst einmal gäbe es dann eine neue Jury und eventuell ein neues Finding of Facts (Zusammenfassung der Beweislage). Das wäre die Chance, jene Beweise auf den Tisch zu bringen, die im bisherigen Verlauf des Prozesses abgewiesen wurden. Und es könnten neue ZeugInnen geladen werden. Alles in allem würde dieser neue Prozeß endlich die Möglichkeit für ein faires Verfahren bieten.

Wie stehen die Chancen dafür?
Das wird nicht einfach. Aber Abu-Jamal hat einen Bonus: Er ist bekannt. Von vielen wird er wahrgenommen als schwarzer, politisch aktiver Journalist, der für ein Verbrechen in den Tod geschickt werden soll, das er nicht begangen hat. Damit steht er exemplarisch für die vielen Opfer eines Justizsystemes, welches mehr über die Hautfarbe der Angeklagten urteilt als über die eigentlichen Anklagepunkte.

Nicht alleine die Masse an Protesten trägt zu Mumias Chancen bei, oft hängt viel an der Darstellung in den Medien ab. Da war oft die Rede vom &Mac226;Cop-Killer‘ (Polizistenmörder).
Das stimmte bis vor einiger Zeit, inzwischen wird Abu-Jamal als &Mac226;ehemaliger Journalist‘ bezeichnet. Aber all die kritischen Töne im Land zu der juristischen wie politischen Lage meines Mandanten oder die neuerdings skeptischen Töne bezogen auf die Todesstrafe, all dies wird von so gut wie allen Zeitungen totgeschwiegen.

Als Reaktion darauf ist wohl auch die Besetzung des Redaktionsgebäude der &Mac226;Herald Tribune‘ in Paris durch einige Dutzend Mumia-UnterstützerInnen vor mehreren Wochen zu verstehen. Trotz der geringen Informationen in der Tagespresse scheint es eine größer werdende Mumia-Solidaritätsbewegung zu geben.
Oh ja, glücklicherweise. Es kommt bei mir täglich ein halber Meter an Protestbriefen an den Richter an, die wir ihm übergeben werden.

Ihr habt ja inzwischen den Schwerpunkt Eurer Kampagne etwas verlagert und macht nun weniger zu der Person Abu-Jamal, sondern mehr gegen die Todesstrafe allgemein. Was versprecht Ihr Euch davon?
Die Todesstrafe erregt immer mehr Unmut in der Bevölkerung. Über viele TodeskandidatInnen fällen die RichterInnen innerhalb des nächsten Jahres ihr Urteil. Die Zahl der Todesurteile steigt immer weiter - und damit wird sehr wahrscheinlich auch der Protest dagegen zunehmen.

Wie kommt es zu diesem Stimmungswandel in Sachen Todesstrafe?
Es gibt eine steigende Anzahl an Todeskandidaten in US-amerikanischen Gefängnissen. Einige Weitsichtige merken, daß bei einer abzusehenden Zahl an staatlichen Morden von mehr als einer Person täglich im Jahr 2001 mit wachsenden Protesten zu rechnen ist. Bei einer aktuellen Umfrage unter Polizeichefs sollten die zehn wichtigsten Instrumente zur Bekämpfung von Kriminalität genannt werden. Erst auf Platz zehn rangiert die Todesstrafe, davor werden Themen genannt wie Bildung, Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, Armut und Obdachlosigkeit. Und das ist bei dieser Berufsgruppe äußerst erstaunlich.

Eine englischsprachige Version dieses Interviews ist hier zu lesen.

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Das Europäische Parlament meint:

»… in der Erwägung, daß der Journalist Mumia Abu-Jamal im Dezember 1982 zum Tode verurteilt wurde, daß eine Wiederaufnahme des Verfahrens bisher abgelehnt wurde und daß die für den 2. Dezember 1999 vorgesehene Hinrichtung verschoben wurde, (…)
beunruhigt angesichts der Häufigkeit, mit der in den USA Bürger hingerichtet werden, deren Unschuld später bewiesen wird,
… bedauert zutiefst, daß die notwendigen Voraussetzungen für die Verabschiedung einer Resolution über das Memorandum zur Todesstrafe während der Verhandlungen auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen nicht gegeben waren …«
(aus: Entschließung des EP zum Moratorium für die Todesstrafe vom 18.11.1999. Die Entschließungen des EP sind sprachlich oft seltsam und schwer lesbar formuliert.)

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Zum Weiterlesen:

Buchtips:
Abu-Jamal, Mumia: Aus der Todeszelle. Bremen: Atlantik, 1995
Abu-Jamal, Mumia: Ich schreibe um zu leben. Zeugnisse eines zum Tode Verurteilten. Bremen: Atlantik, 1997
Weinglass, Leonard: Freiheit für Mumia. Bremen: Atlantik, 1997

Was tun?

  • Informiere Dich unter www.mumia.de über Aktionsmöglichkeiten.
  • Beteilige Dich aktiv in einer Soligruppe
  • Komm zur Demo am 5.2.2000 nach Berlin und denke Dir kreativere Aktionen aus
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